Bochum: Schieflage

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Köln: Weidengasse

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Berlin: Krahn in Marzahn

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M10, #3

„Tobi hat so dschu-dschu-dschu-dschu gemacht und Alex tzk-tzs-tsk und Freddy mit der Gitarre so woooooaaaaahhhhhrrrrrrrrr und dann nennt ihr das eine Jamsession und ich muss den ganzen Abend daneben sitzen…“ Tine redete ununterbrochen, ein wenig nervös, aber auf ihre Position als einziges Mädchen unter fünf Jungs bedacht, von denen Tobi ihr Freund war und alle anderen schon den ganzen Abend auf ihre süßen Brüste stierten. Diese Begierde gab ihr eine gewisse Sicherheit. Alex hatte in den letzten Stunden bei der inneren Frage, ob sie komplett rasiert ist oder einen kleinen Steg hat stehen lassen, schon dreimal eine Erektion bekommen.
„Ey, ich mach hier jetzt Klimmzüge an der Stange…“ Gerade als die Tram anfuhr, versuchte sie, sich an der Deckenstange hinaufzuziehen, versagte jedoch auf halber Höhe. Simon hatte ihren Hintern genau vor seinem Gesicht, was ihn anstachelte zu behaupten, er schaffe sieben Klimmzüge. Vielleicht versucht sie es dann noch einmal, dachte er sich, schaffte aber auch bloß einen. Tobi schob ihn daraufhin zur Seite, um ihn mit vier Klimmzügen zu überbieten.
Simon, Alex und Schattenheiner stiegen an der nächsten Station aus. Tine fing an, sich über Tobis Verhalten aufzuregen: „Warum glaubst du, dich vor mir beweisen zu müssen?“ Tobi sagte, er habe es nicht auf sich sitzen lassen können, dass Simon sie direkt vor seinen Augen derart anmacht und habe ihn deshalb überbieten müssen. Tine bat die umher stehenden Fremden um Bestätigung und würdigte Tobi keines Blickes mehr, während sie sich weiter lauthals über sein Verhalten aufregte. Sie freute sich darauf, später mit ihm zu schlafen.
Als Tobi und Tine ausgestiegen waren, erklärte Freddy den Umherstehenden, dass er nicht an ein langes Liebesglück in dieser Beziehung glaubt. Die beiden seien gerade erst einen Monat zusammen und wenn „das“ schon so losgeht, könne „daraus“ ja nichts werden. Es sei peinlich, wie die beiden sich in der Öffentlichkeit verhalten. Die anderen Passagiere guckten Freddy an oder nicht oder klopften ihm auf die Schulter und bedankten sich für diese Information.
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M10, #2

(für Levente)
Richy und Farid saßen schwitzend in der Tram.
Richy hieß eigentlich Richard, aber spätestens seitdem er angefangen hatte ins Solarium zu gehen und Muskeltraining zu machen, war ihm dieser Name zu peinlich. Das Ypsilon gab ihm etwas amerikanisches, was noch mehr Ego als der ausgeprägte Bizeps unter seinem straff anliegenden, weißen T-Shirt spendete. Richards Vater war Anwalt, seine Mutter Lehrerin. Beide hatten sich im Lauf der Jahre von ihrem eigenwilligen Sohn entfremdet, bis dieser es schließlich nicht mehr zu Hause aushielt: also mit achtzehn aus dem Haus in Zehlendorf auszog, um sich eine eigene Wohnung in Fennpfuhl zu nehmen und sein eigenes Geld zu verdienen.
Auch Farid konnte nicht viel mit Richy anfangen. Die beiden hatten sich vor drei Tagen im Fitnessstudio kennen gelernt und für drei Stationen den gleichen Heimweg. Für Farid stellte das Training einen Ausgleich zum stressigen Alltag im Büro dar, keine zentrale Bestimmung seines Selbstbildes. Er ging nur zweimal pro Woche trainieren. An den anderen Tagen holte er sein Abitur an einer Abendschule nach, um später studieren zu können. Die Chancen nach der Ausbildung übernommen zu werden standen schlecht.
„Du siehst voll Geschäftsmann aus mit deinem blauen Hemd, das ist doch viel zu warm bei der Hitze,“ meinte Richy. Farid erklärte ihm, dass er sich ohne Hemd nicht auf der Arbeit blicken lassen kann und immer direkt vom Büro aus zum Training fährt. Richy meinte, dass man Hemden nur am Wochenende trägt, wenn man „voll edel“ mit seiner „Lady“ ausgeht: aber dann tailliert und weiter aufgeknöpft, damit man den Body gut sieht. Er wollte wissen, ob Farid am Wochenende auch ausgeht und was für Musik er hört. „Ab und zu“ und „nichts bestimmtes“ lauteten dessen Antworten. „Ich hör’ so Gangster Rap,“ erklärte Richy. Dann wurde er plötzlich zutraulicher und versteckte seinen Mund halb hinter seiner Faust, als wolle er ein Geheimnis verraten: „Ey aber ohne Scheiß: ich hör normal echt ein bisschen härteren Kram und so, aber meine Süße immer so Shakira und neulich lagen wir so zusammen auf dem Bett und ich denk wie schön sie ist und da lief gerade auch Shakira und, das klingt vielleicht ein bisschen schwul, aber das war voll der schöne Moment irgendwie ich weiß auch nicht….ey ohne Scheiß, darfst auch keinem im Center verraten!“ Richy lächelte jetzt über das ganze Gesicht: „Ich hab mir das sogar runtergeladen und aufs Handy getan und hör’ das seitdem irgendwie voll gerne.“
Von Farids Gesicht ließ sich keine eindeutige Reaktion ablesen. An der nächsten Station verabschiedete er sich und stieg aus: “Bis die Tage…”
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Mode-Telegraphen und Fashionblogs

Nicht mitzubekommen, dass die 80s total 2009 sind, ist peinlich. Bei Stil in Berlin anzugeben, die Tasche sei „Vintage from Stockholm“, weil man nicht weiß, dass „found in Warsaw“ seit der vorigen Woche viel cooler ist, kommt sozialer Selbstverstümmelung gleich.
Angesichts der medialen Strukturen scheint es heutzutage geradezu unmöglich, à la mode zu sein. Die große Euphorie über eine (begrenzte) Demokratisierung der Mode durch Blogs ist dabei oft nicht mehr als der klägliche Versuch, die eigene Unsicherheit, die durch eben diese gefeierte Pluralisierung noch potenziert wird, zu kaschieren.
Die Bezugs- und Orientierungspunkte der modischen Nachahmung scheinen in der medialen Struktur des Internets zwischen Schwarmmetaphern und Vorstellungen von Gleichzeitigkeit verloren. In Zeiten, in denen ein jeder die creatio ex nihilo seines eigenen Geschmackes behauptet, ist der Begriff „Nachahmung“ einzig als Zuschreibung auf andere virulent.

In der deutschen Modewelt um 1800 gestaltete sich dieses Bild noch anders, denn damals gab es für Modekonsumenten nur zwei Vorbilder: London und Paris. Was aus diesen Städten kam, das galt in unhintergehbarer Verbindlichkeit. Für Sicherheit hat dieser Umstand allerdings nicht gesorgt. Das Wettrennen um die neusten Moden war dem heutigen ähnlich. (Nicht identisch, vor allem nicht auf sozialer Ebene). Dafür spricht ein 1802 im von Friedrich Justin Bertuch und Melchior Kraus herausgegebenem Journal des Luxus und der Moden erschienener Artikel mit dem Titel „Aufruf an die Modewelt, zur Errichtung eines Mode-Telegraphen“, der wohl einer der frühesten Fingerzeige auf den Zusammenhang zwischen der medialen Kommunikation über/von Mode und das Wissen um ihre Vergänglichkeit ist.
Der anonyme Verfasser beschreibt, wie ihm auf einer England-Reise eine modische Blamage nach der anderen widerfuhr. Vor dem Betreten des Schiffes hatte er sich in Hamburg noch einmal nach neustem Stand auf englische Art einkleiden lassen. Nach einer durch Windstille in die Länge gezogenen, zweiwöchigen Reise in London angekommen stellt er jedoch fest, dass er niemandem „von Stande“ mehr ähnlich sieht, „höchstens einem Schneider oder Ladendiener und übrigen Nobodies“: so schnell hatte sich die Mode gewandelt.
Häubchen

Die ständige Ungewissheit: ist mein Häubchen / Hut noch IN?
Quelle: Journal des Luxus und der Moden

In London lässt er seine Garderobe also auf den neusten Stand bringen und begibt sich zurück nach Deutschland. Von widrigem Wetter behindert, dauert die Reise allerdings wieder überdurchschnittlich lange, so dass seine Moden bei seiner Ankunft in Hamburg bereits allseits bekannt scheinen:

Daß der Schneider noch denselben Abend – that very night – kommen musste, versteht sich – cela s’entend. Ich reiste hierauf Tag und Nacht, à corps perdu, und en courier, bis ich in unserer Residenz [Weimar] ankam, und hatte doch nun noch die Satisfaktion, einmal eine gänzliche Revolution in den Garderoben zu bewirken; denn die hohen Kragen, welche ich mitgebracht hatte, langten erst 8 Tage, und die Entenschnäbel gar erst 11 Tage und 15 Stunden nach mir hier an, und waren schon beinahe wieder passirt, als sie kamen.
(Unsigniert: Aufruf an die Modewelt, zur Errichtung eines Mode-Telegraphen, in: Friedrich Justin Bertuch / Melchior Kraus [Hrsg.]: Journal des Luxus und der Moden, Jahrgang 17, Februar, Weimar 1802, S. 66 – 70, hier S. 68. sic!)

Aus den erniedrigenden Erfahrungen und dem Gefühl, der Mode ewig hinterher zu reisen, entspringt dem Verfasser die Idee eines optischen Telegraphensystems, das diesem Problem in Zukunft Abhilfe schaffen soll.
Das Modell ist einfach und aufwändig zugleich: von Hausdach zu Hausdach sollen modische Veränderungen übermittelt werden. Der „Muttertelegraph“ besteht im Grunde aus einem Gliedermann, der verschiedene, codierte Hand- und Fußstellungen einnimmt. Diese werden vom nächsten Hausdach aus per Fernrohr beobachtet und dort direkt wieder auf einen weiteren Gliedermann übersetzt, der vom nächsten Dach aus beobachtet wird usw. (bzw. wird auch für den eigenen Bedarf dekodiert). So setzt sich das System von London bis Weimar fort.
Finanziert werden sollte das Projekt durch Spenden von 10.000 Personen „von Stande“, die jeweils 100 Pfund in eine gemeinsame Kasse, „the treasure of fashion“, einzahlen. Das Telegraphensystem als ein System der Inklusion und Exklusion, soll diese edlen Personen damit künftig vor jeglicher modischen Peinlichkeit bewahren:

…so wären wir dann im Stande, täglich und stündlich, im eigentlichen Sinne modisch gekleidet zu seyn, modisch zu stehn, zu gehen, zu reiten, zu fahren, zu essen, zu trinken, zu spielen, zu schlafen; und in ganz Europa hätte die feine Welt nur einen Ton, nehmlich den guten; und wir kämen nie out of fashion, aus der Mode, und der gemeine Mann nie hinein, wenigstens nicht eher, als wenn wir schon wieder heraus wären, also immer zu spät; – und wir machten uns nie lächerlich.
(Unsigniert: Aufruf an die Modewelt, zur Errichtung eines Mode-Telegraphen, S. 70. sic!)

Ob dieser Plan ernst gemeint ist oder nicht, ist ganz unerheblich. Auch als phantastische Parodie zeugt er von einem Zeitgeist, der das Modische anhand seiner Flüchtigkeit definiert. Der Text verrät, wie Mode 1802 gedacht werden konnte. Der Anspruch „im eigentlichen Sinne modisch gekleidet zu sein“ und die folgende Aufzählung weisen dabei auf das französische à la mode hin, das „Mode“ nicht als spezifisches Kleidungs-Phänomen fasst, sonder als allgemeine, zeitliche Modalität, die jegliche Art von Verhalten, Brauch, Umgang durchsetzt, ja gar ein konstitutiver Teil derselben ist. So ist in anderen Artikeln des Journals etwa vom „Mode-Wort“ „Aufklärung“ die Rede, von der „Mode in der teutschen Interpunktion“, „Mode-Experimental-Physik“ oder der modischen Beschäftigung, gedruckte Kupferstiche auszuschneiden (bestimmt ein riesiger Spaß).

Der Bericht offenbart durch das Phantasma eines gescheiterten Modefanatikers die Unmöglichkeit, die Zeit einzufangen und stillzulegen; also die Unmöglichkeit in Mode zu sein. Diesen Umstand können natürlich auch Blogs nicht hintergehen: obgleich die Linearität einer topisch fixierbaren Vorherrschaft durch das Internet in Form dynamischer Prozesse zum Teil aufgehoben sein mag (ein meist rein rhetorisches Phänomen), gibt es keine Gleichzeitigkeit und vor allem keine Zeitlosigkeit (zum Glück eine schiere Unmöglichkeit): die Begriffe à la mode und indémodable als Verneinungen des in der Zeit Seins sind nur mit ihrem konstitutiven Komplement, der Vergänglichkeit, denkbar; gegen die immer wieder angerannt werden muss, die aber niemals überwunden werden kann. Dieser Umstand schließt Perfektion aus.
Der Telegraphenplan spricht auch heute noch ganz gültig eins aus: du wirst niemals in der Mode sein, sondern ihr immer bloß hinterherlaufen, so dass du dir jeden Tag wieder zurufen kannst:

Zu allen Zeiten mag es schwer gehalten haben, ein Mann comme il faut zu sein; aber in unsern Tagen kann man es, Gott verdamm’ mich, anfangen wie man will, man ist immer und ewig comme il ne faut pas, und möchte auf der Stelle des Teufels werden.
(Unsigniert: Aufruf an die Modewelt, zur Errichtung eines Mode-Telegraphen, S. 66.)

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MIT: Pudong / Nano Notes

Ich habe schon länger nichts mehr aus fremder “Feder” gepostet, allerdings wird es anlässlich sehr guter Musik mal wieder Zeit. Denn meine Lieblingsband MIT veröffentlicht im September Album #2: Nano Notes. Über Pille bin ich auf den SoundCloud-Stream des ersten Liedes, Pudong, gestoßen. Ich freue mich auf das Album!

MIT – Pudong by cooperativemusic_germany

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Kommissar V.

Das ist nicht mein Bett, neben dem ich ohne Erinnerung an das Aufwachen stehe. Das ist nicht mein Schreibtisch, nicht mein Schrank. Das ist nicht mein Zimmer.
Diese Türen und Fenster sehen verdächtig fest verschlossen aus. Ich knie mich auf den Boden. Der raue, dunkelblaue Teppich borstet an meinen Händen. Ich schaue unter das Sperrholzbett. Nichts. Eine Seitentür führt in ein kleines Badezimmer mit Dusche und WC. Da, wo einmal ein wohl plasternes Schränkchen über dem Wachbecken hing, starren bloß noch vier Löcher aus der Wand. Es riecht nach aufgeweichter Pappe und einer Spur von Chlor. Vielleicht hätte ich nicht in diesen Fluss springen sollen. Der Wasserhahn funktioniert nicht. Für die Fehler, die man unfreiwillig begeht, wird man am härtesten bestraft. Das ist natürlich eine Lüge. Dieser Satz. Sinn. Sinnlichkeit. So ein veraltetes Abziehbild wie ich kann wohl kaum noch mit dem Körper denken. Nur ist das noch lange kein Grund mich hier einzusperren.
Wenn ich alles im Denken beschreibe und benenne, kann ich mir meine Wahrnehmungen vielleicht verschweigen oder sie überschreiben oder unter Kontrolle bringen. Ein Problem, das ich benennen kann, ist dann schon halb gelöst; auch die Erkenntnis der Unlösbarkeit eines Problems wird mir so der erste Schritt zur Lösung desselben. Schwachsinn, vielleicht, vielleicht. Vielleicht muss ich einfach noch genauer, noch schärfer beobachten und mir alles beschreiben. Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack, Geräusch: irgendwann totbeschrieben. Das klingt nach einem Unweg, ganz ohne Zeit. Vielleicht muss ich auch bloß die Perspektive wechseln, vielleicht.
Ich fasse Mut: Mein bisheriges, ausnahmsloses Scheitern ist mir Garant zum Gelingen dieses Geschehens, an dem sich bisher viele, gar die besten versucht haben, vor dem jedoch ein jeder schon kurz nach Beginn der einfachsten Vorbereitungen resignieren musste und von dem ich bloß noch herausfinden muss, um was genau es sich handelt. Ich muss herausfinden, was genau ich nicht vorhabe, aber tun werde.
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M10, #1

(für Armin)

Das sollte ein richtig geiler Trip werden und die ganze Mannschaft musste natürlich mit. Man heiratet schließlich nur einmal. Es war am Anfang nicht ganz sicher, ob Oli frei kriegt, aber sein Meister hatte Verständnis. Schließlich kommt Oli ja ursprünglich aus Berlin, hatte also doppelten Grund mitzufahren. Als Einheimischer sollte er der Truppe als Lotse dienen: ist ja schließlich alles schon ein Bisschen größer als in Fulda mit den ganzen S-Bahn-Linien und U-Bahn-Linien und Trams und Bussen. Das ist nicht so einfach und dann ist da natürlich die große Frage, wo man geil einen trinken kann… Oli hatte im Internet eine super Cocktailbar Nähe Eberswalder Straße gefunden: Dort sollte es den besten Sex On The Beach der Stadt geben. / Doch zuerst nach Friedrichshain. Da ist so ein Laden am Frankfurter Tor, wo man im Sommer auch noch schön draußen sitzen kann und spitzen Musik läuft. Beim dem Wetter muss man ja nicht unbedingt in eine der vielen Diskotheken gehen. / Jürgen musste mal ordentlich auf dem Weg mit der Tram nach Prenzlauer Berg, aber erstmal aushalten – auch bis zum nächsten Getränk: „Wehe da kostet der Maria Cron wieder vier Euro, dann raste ich aus…ehrlich!“ Süßer Cocktailkram war nichts für den Dienstältesten. / „Zum Ficken zu blau, zum Wichsen zu faul, dicke Titten Kartoffelsalat!!!“ Das war eine bombige Zeit und auch super lustig mit den Strohhüten und Blumenkränzen aus der letzten Bar. Die passten gut zu den grünen T-Shirts mit den Namen und Nummer auf dem Rücken. Die hatte Stefan in der Firma seines Vetters drucken lassen. Sein T-Shirt mit der Nummer 1: schließlich ist er der Mann im Mittelpunkt des Geschehens und auch der Mann auf der Grundlinie. „Stefan „Panther“ Möller – l e g e n d ä r! – – M Ö L L E R!!! M Ö L L E R!!! ES GIBT NUR EIN PANTHER MÖLLER – - EIN PANTHER MÖÖÖÖÖÖÖÖLLER – - ES GIBT NUR EIN PANTHER MÖÖÖÖÖÖHÖLLER!!!“ / Nun ging es ab unter die Haube, das letzte Wochenende in Freiheit, noch einmal richtig was erleben und richtig geil einen saufen und am Ende auf Toilette einschlafen.

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"Da’s nichts mehr zu machen…"

Der kurze Blick eines Kenners genügte, um das Todesurteil über eine jahrelange Beziehung zu fällen. Draußen neigte sich der sonnige Morgen gerade in einen wolkenverhangenen Vormittag überzugehen; hier drinnen gab es Zeit nur in Form von Staub auf einer Sammlung stehengebliebener Holzuhren, die, falls überhaupt noch wahrgenommen, vielleicht an ein wann auch immer vergangenes Früher erinnerten. Ganz kahl war alles und mager: das Metallregal mit den wenigen reparierten Schuhen, der niedrige Empfangstresen, die kurzen Öffnungszeiten.
Aus dem Nebenzimmer des Ladens kam der schnäuzbärtige Richter herangehumpelt; dort hatte er seinen Kumpel samt Bier sitzen lassen. Ich reichte den Schuh über den Tresen; dann fiel der eine Blick: “Da bräuchte ich ‘ne Maschine für, die kostet tausend Euro und dann kommt alle paar Jahre sowas…deshalb hat die keiner. Kleben hilft auch nich’ – - ich sag mal: der hat ausgedient…” Nicht einmal eine Augenbraue hat er dabei hochgezogen, nur die Hände in die Hosentaschen gesteckt, mir den Schuh dann schon während des Redens wieder in die Hand gedrückt und sich auf den Weg zurück ins Nebenzimmer geschickt. Vielen Dank, einen schönen Tag noch. Ich gehe nun meinen geliebten Schuh beerdigen.
PS: Was macht man, wenn die schwarzen Desert Boots mal kaputt gehen? Richtig: man zieht seine braunen Desert Boots an, fährt zum nächsten Schuhgeschäft und kauft Ersatz!
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